Wie alles begann

Die Bohnen sind gar keine Bohnen...

...sondern die Samen der Frucht, die am Kaffeestrauch wächst. Bohnen heißen sie wahrscheinlich nur, weil das arabische Wort für diese Frucht ganz ähnlich klingt.

Um die Geschichte der Kaffeerösterei ranken sich viele Legenden. Fest steht: Heute legt sich etwa zwischen dem  24. Grad südlicher und dem  24. Grad nördlicher Breite ein Plantagengürtel um den Erdball. Die Pflanze braucht immer milde Temperaturen und eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit. Und die Samen werden sorgfältig von Hand gepflückt.

Schon vor mehr als tausend Jahren wird die Frucht in Afrika erwähnt. Ein höchst unrühmliches Kapitel der Menschheitsgeschichte trägt zu ihrer Verbreitung bei: Sklavenhändler haben sie im Gepäck und bringen sie in den heutigen Jemen und dort  in die Stadt Mocha, die dem Mokka den Namen leiht.  Geröstet wurden die Samen in Pfannen, dann in Mörsern zerstampft und mit Wasser aufgekocht und in sehr kleinen Mengen genossen.

Nach Mitteleuropa kommen die ersten Bohnen im 16. Jahrhundert durch einen Augsburger Arzt, nach Österreich vermutlich über Ungarn ins Burgenland. Verbrieft ist, dass 1685 der Grieche Johannes Diodato eines der ersten Wiener Kaffeehäuser gründet. Lange Zeit haben die Araber ein Monopol auf den geschäftsmäßigen Anbau, bis es ebenfalls im 17.Jahrhundert zuerst Indern und dann Niederländern gelingt, keimfähige Bohnen illegal auszuführen. Die Kolonialmächte bauen Kaffee in überseeischen Kolonien: die Engländer auf Jamaika und in Afrika, die Portugiesen in Brasilien, die Franzosen auf den Antillen und in Guayana.

In allen Kulturen florieren Kaffeehäuser. In allen Kulturen werden sie immer wieder verboten,  weil sie Treffpunkte für unbequeme Vor- und Freidenker sind. Der preußische Könige Friedrich II stellt Kaffeetrinken 1768 unter Strafe – bis ihm eine ganz andere, viel lukrativere Idee kommt:  Er belegt die Bohnen mit Zöllen und Steuern und führt ein staatliches Röstmonopol ein, um Reformen zu finanzieren und seine Kriegskasse zu füllen.

Des Kaffees stimulierende Wirkung begründete seine Beliebtheit. Noch allerdings kannte niemand den Grund. Das änderte sich anno 1820 - auf Drängen eines gewissen Johann Wolfgang von  Goethe. Der Dichterfürst, seit eh und je auch sehr an Naturwissenschaften interessiert, wollte  herausfinden, warum Kaffee anregt, kam aber selber nicht  weit und stiftete den Hamburger Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge zu erfolgreichen Laborarbeiten an. Bis heute ist Coffein die weltweit am meisten verwendete pharmakologische Substanz.

Heute ist Kaffee ist zudem nach Erdöl das zweitwichtigste Handelsgut. 1750 wurden 600.000 Sack Rohkaffee verkauft, im Jahr 2000 fiel die Hundert-Millionen-Grenze. Langsam, aber unaufhaltsam begann sich da die Gegenbewegung schon zu etablieren - weg von der Massenware, zurück zum handverlesenen Genussprodukt, das eine neue Geschmackswelt eröffnet und die höheren Preise rechtfertigt. Ein Blick in die USA illustriert die Dimension: Ende des vergangenen Jahrzehnts war dort schon ein Drittel des Kaffeemarkts in der Hand kleiner Spezialröstereien (Jahresumsatz fast 14 Milliarden Dollar) - mit direktem Kontakt zu den Plantagen, mit individuellen Liebhabermischungen und der Rückbesinnung  auf den speziellen Genuss in kleinen Mengen.